Projektidee

Junge Leute an das erlebte Theater heranzuführen und besonders denen, die mit Bildungsbarrieren konfrontiert sind oder aus Familienverhältnissen mit geringem Einkommen stammen, eine Möglichkeit zu geben, sich mit dieser, für eine nachhaltige Entwicklung unserer Gesellschaft unverzichtbaren Kultur auseinanderzusetzen, ist ein besonderes Ziel dieses Projekts unseres Vereins: Prävention durch spielerisches Heranführen an erlebtes Theater.

Die beiden bisherigen Projekte zu dieser Reihe wurden finanziell durch die Marandi Stiftung unter der Trägerschaft der Jubiläumsstiftung der Sparkasse Neuss mit dem Ziel gefördert, junge Leute stark zu machen, zu motivieren, neue Wege zu gehen.

 

Comedy, durchaus auch Kabarett einer besonderen Prägung für Jugendliche und andere Arten der Kleinkunst, zum Beispiel Musicals, sind gerade für diese Gruppe junger Leute geeignete Formen einer sozialen und kulturellen Begegnung. Dabei soll Kritik als wesentlicher Bestandteil einer soziokulturellen Entwicklung begreifbar und erfahrbar sein. Gleichzeitig soll sich der Zugang zu vielfältigem Theater öffnen, ein Dialog zur Theaterkultur gestartet oder auch nur ein Gemeinschaftserlebnis einer besonderen Art ermöglicht werden. Das ist das Ziel dieser Projektreihe des F3k e.V. Ein Lernprozess für alle Seiten! Denn auch Theater muss sich verändern und anpassen, will es in Zukunft weiterhin einen anspruchsvollen Beitrag zur Kultur unserer Gesellschaft leisten und dabei ein junges Publikum ansprechen.

 

Das Video zur Pandemie

Diese Projektreihe des F3k “Junge Leute lernen Kabarett – Präventionsbereich“ kann jetzt stolz auf ein zweites Projekt zurückblicken. Am 22. August 2022 wurde ein Video in der Städt. Gesamtschule Kaarst-Büttgen präsentiert, das Schüler*innen des Kurses der 7. Jahrgangsstufe „Darstellen und Gestalten“ der Gesamtschule zwischen Ostern und dem Schuljahresende 2022 mit ihrer Lehrerin Julia Schaefer und unter hervorragender Anleitung durch die Regisseurin Susa Weber entwickelten und einstudierten. Enorme schauspielerische Talente sind in dem Video zu beobachten, das am 17. Juni im Bebop durch Timo Vogt gefilmt wurde. Das Video zeigt Szenen des häuslichen Alltags von Jugendlichen während der Pandemie und das dabei verstärkt aufgekommene Problem der häuslichen Enge, die zu familiären Krisen führte. Die jungen Schauspieler*innen zeigen einige Vorschläge, wie diese Probleme mit Humor und Entgegenkommen jeweils zu lösen wären.

© Timo Vogt 2022

Das Video ist über folgende URL direkt zu erreichen:

 

 

Das erste Projekt

Das erste Projekt (2019/2020) befasste sich mit dem Problem des Cyber Mobbings bei Jugendlichen. Die Anonymität des Internets kann eine enthemmte Online-Kommunikation begünstigen. Befreit von der Angst vor den negativen Konsequenzen des eigenen Handelns und ohne die Rückmeldung in Form von direkten Reaktionen des Gegenübers sinken die Hemmschwellen für Hetze, Verleumdung oder Mobbing. Ziel dieses F3k-Projekts war Prävention: Die soziale Interaktion stand im Vordergrund, „echte“ Kontakte und Kommunikation wiederherstellen, einen kritischen Blick zu Fake News erlangen, als Gegenpol zu einem, gerade für Jugendliche durch Medien bestimmten Alltag.

Eine Gruppe von 12 Jugendlichen, im Alter zwischen 12 und 16 Jahren, besuchte zum Auftakt des Projekts am 1. April 2019 die Vorstellung der Produktion „La Línea – Der Traum vom besseren Leben“ am Rheinischen Landestheater in Neuss. Im Nachgespräch hatten die Jugendlichen die Möglichkeit, die Produktionsbeteiligten zu befragen, was rege genutzt wurde mit Fragen zum Stück und Thema, zu den Proben und den Berufen am Theater.

Im Anschluss daran trafen sich die Jugendlichen unter der Leitung der Theaterregisseurin Julia-Huda Nahas über zwei Monate zu einem wöchentlich stattfindenden Theaterworkshop. Die Eindrücke aus der Auftaktveranstaltung bildeten die Grundlage für den Einstieg in die gemeinsame Arbeit. Das Thema „Grenzen“ wurde auf unterschiedliche Weise thematisiert

Die Basisarbeit fokussierte sich auf die grundlegenden Faktoren des Theaterspielens. In Übungen erweiterten die Jugendlichen ihre Kompetenzen in den Bereichen Bewegung im Raum, Nähe und Distanz, Status, Körpergefühl, Stimmtraining und Ausdruck. Spielerisch wurde dabei gleichzeitig das Workshopthema ICH • DU • WIR auf verschiedenste Weise behandelt. Mit weiter fortschreitendem Prozess entwickelten sich auch die kreativen Fähigkeiten der jungen Leute und umso freier und umfangreicher wurden die Improvisationen.

Die weiter gehende inhaltliche Auseinandersetzung führte dann zu einem dreißigminütigen Theaterstück, das sich mit den Auswirkungen des Cybermobbings auf das reale Leben beschäftigte. Die Gruppe entwickelte Figuren, Handlungen und Texte des Stücks zum Großteil in Eigenarbeit. Ein Musikvideo stellte den Auslöser für das virtuelle Mobbing dar. Dabei wurden die Akteure perfekt unterstützt durch die Musikschule Mark Koll.

Das Theaterstück kurz gefasst:
Im Zentrum der Kontroverse steht ein Musikvideo, das eine Gruppe von Jugendlichen aufgenommen hat und das die nicht ganz eindeutige sexuelle Orientierung des Sängers thematisiert. Um nicht angefeindet zu werden, sind die Musiker*innen maskiert. Dennoch sind sich die Beteiligten nicht sicher, ob sie das Video online stellen sollen oder nicht. Und da passiert es. Das Video taucht auf YouTube auf und versetzt die gesamte Schule in Aufruhr. Und nicht nur das. Über einen anonymen Account werden hasserfüllte und bedrohliche Kommentare unter dem Video gepostet. Hier beginnt eine Auseinandersetzung unter den Jugendlichen. Einige finden das Video gut, andere bestätigen mit ihren abfälligen und beleidigenden Aussagen die schlimmsten Befürchtungen. Aber alle beschäftigt die Frage: Wer sind die auf dem Video? Und wer versteckt sich hinter dem anonymen Account, von dem das Video hochgeladen wurde? Die Kommentare auf YouTube lassen darauf schließen, dass es jemand aus der Schule sein muss. Die Fronten verhärten sich und am Ende bleibt ein nicht ganz freiwilliges „Outing“, eine bereute Tat und die Erkenntnis, dass Fehler im Netz nicht ganz so leicht rückgängig zu machen sind, wie man sich vielleicht wünschen würde.

Das kleine Theaterstück, das von Julia-Huda Nahas bestens in Szene gesetzt war, wurde am 27. Juni Eltern und Vertretern des Fördervereins vorgeführt. Die tiefe Auseinandersetzung, die diesen Jugendlichen mit dem heiklen Thema der negativen Nutzung sozialer Medien gelungen war, war für alle spürbar. Die im Spiel dargestellten zwischenmenschlichen Differenzen und das mit viel Leidenschaft und unerwartet ausdrucksvoll vorgetragene Stück führten zu großer Begeisterung, aber auch zu viel Nachdenklichkeit.

Man wünschte sich nachher, dass dieses vorbildliche Beispiel zu einem gesellschaftlichen Thema, das nicht nur Jugendliche betrifft, viel mehr Verbreitung fände.

Mit diesem Projekt bewarb sich die Marandi Stiftung beim Wettbewerb für kleine Stiftungsprojekte der Sparkassen-Finanzgruppe, dem DAVID 2020. Das Projekt wurde zusammen mit 11 weiteren Projekten für den DAVID-Preis nominiert, zählte letztlich jedoch nicht zu den zwei prämierten Projekten. Aber Teilnahme und Nominierung sind aus unserer Sicht ein großartiger Erfolg für dieses neue Projekt des F3k und motivieren uns, die Idee der Verbindung von Prävention und spielerischem Erlernen von Theater für junge Leute weiterzuführen. Wer diese Arbeit finanziell unterstützen möchte, wende sich bitte an den Vorsitzenden des F3k e.V.

Mit folgendem Link kann das Plakat aufgerufen werden, das als Bewerbung zum DAVID 2020 diente:

Plakat DAVID 2020

Die Broschüre zu allen nominierten Projekten des DAVID 2020 ist unter folgendem Link zu finden:

Broschüre DAVID 2020